45 ha. Die Fläche der Teegärten, die Herr Kenichiro Shimokubo bewirtschaftet.

Vielleicht lässt sich die Größe so leichter vorstellen: etwa zehnmal so groß wie der Tokyo Dome, ein Teegarten von 600 m × 900 m. Viele der Produzenten, die wir kennen, arbeiten mit 4 bis 10 ha. Unter ihnen ragt Herr Shimokubo mit seiner Produktionsmenge deutlich heraus.

Herr Shimokubo ist die fünfte Generation der Shimokubo Isao Tea Factory und denkt tatsächlich fast nur an Tee. Die Gespräche über Tee gehen nie aus. Wenn er mit Produzenten aus der Nachbarschaft etwas trinken geht, reden sie offenbar bis zum Morgen über Tee.

Diesmal besuchen wir Shimokubo Isao Tea Factory in Ei, Stadt Minami-Kyushu, Präfektur Kagoshima.

Kagoshimas Schnellstarter: Shimokubo Isao Tea Factory

„Ich werde demnächst wieder Felder dazunehmen. Ich habe eine frühe Lage gefunden. Haruto 34 sieht ganz gut aus, ein früh austreibender Kultivar. Den will ich einmal ausprobieren.“

Bei einem Telefonat neulich erzählte Herr Shimokubo genau davon. Er bewirtschaftet bereits 45 ha und denkt doch ständig daran, die Fläche weiter auszubauen.

Die Teeernte beginnt in den warmen Regionen des Südens und wandert dann, fast wie die Kirschblütenfront, nach Norden und in kühlere Bergregionen. Am frühesten wird Tee in Japan auf der südlichsten Insel Tanegashima geerntet. Der Tee von Tanegashima heißt „Ohashiri Shincha“ und ist als der früheste Tee bekannt, der in Japan auf den Markt kommt.

Nach dem Tee von Tanegashima kommt der erste Tee vom Festland Kagoshimas tatsächlich von Herrn Shimokubo. Auf den sonnigen Feldern innerhalb seiner 45 ha, auf denen die Pflanzen früh austreiben, pflanzt er den frühen Kultivar Shige Nr. 2. Er ernte, verarbeite und verschicke ihn als Erster in der Präfektur Kagoshima, heißt es.

Teegärten in Kagoshima im März

Wir besuchten Herrn Shimokubo am 23. März. Schon zu diesem Zeitpunkt hatten sich auf den Feldern goldene neue Triebe gezeigt. So weit waren die Knospen bereits.

Neue Triebe von Shige Nr. 2

In Regionen wie Kagoshima, in denen die Ernte früh beginnt, erzielen Tees auf dem Markt höhere Preise, wenn sie früher als die anderer Produzenten verschickt werden. Deshalb werden in Kagoshima früh austreibende Kultivare wie Yutakamidori und Saemidori sehr intensiv angebaut.

Unter ihnen sei Shige Nr. 2 von Herrn Shimokubo noch einmal deutlich früher. Ein echter Schnellstarter, so sagt man.

Kagoshima, tatsächlich Japans zweitgrößtes Teegebiet

Es ist nicht sehr bekannt, aber die Produktionsmenge von Tee in der Präfektur Kagoshima liegt nach der Präfektur Shizuoka auf Platz zwei. Kagoshima ist also Japans zweitgrößtes Teegebiet. Betrachtet man nicht die Präfekturen, sondern Städte und Gemeinden, steht die Stadt Minami-Kyushu in der Präfektur Kagoshima sogar landesweit auf Platz eins. Sie ist die Kommune mit der größten Teeproduktion Japans.

Kagoshima produziert nicht nur viel Tee. Es ist auch die Region, in der die landwirtschaftliche Fläche pro Teebetrieb am größten ist. In der Stadt Minami-Kyushu beträgt die Anbaufläche pro Betrieb 5,1 ha. Wenn man bedenkt, dass der Durchschnitt in anderen Regionen bei 2 bis 3 ha liegt, bewirtschaften die Betriebe dort fast die doppelte Fläche.

Shimokubo Isao Tea Factory gehört selbst in dieser Region zu den großen Produzenten und bewirtschaftet 45 ha Land.

Landschaft mit Teegärten in Kagoshima

Dazu baut Herr Shimokubo auf diesen Flächen mehr als 20 Kultivare an. Neben der gewöhnlichen Feldarbeit erschließt er neue Felder, forscht mit großer Energie, reist für den Vertrieb durch ganz Japan und manchmal sogar ins Ausland.

Man fragt sich, wann er eigentlich ruht. Das ganze Jahr über: Tee.

„Immer weiter lernen.“

„Wir Produzenten können die erste Ernte ja nur einmal im Jahr einbringen. Am Ende mache ich seit 20 Jahren Tee und hatte also nur 20 erste Ernten. Wenn es dieses Jahr nicht klappt, dann eben nächstes Jahr. Und wenn es nächstes Jahr wieder nicht klappt, lernt man immer weiter.“

Wenn man mit Herrn Shimokubo spricht, merkt man genau das: seine Leidenschaft und seine Geradlinigkeit. Bodenarbeit, Anbau, Verarbeitung, Vertrieb. Seine Art, jeden dieser Schritte ohne Kompromiss anzugehen, wirke offenbar auch auf Produzenten in der Nachbarschaft.

Über Herrn Kazuhiro Nagayama sagt Herr Shimokubo: „Wenn ich mit Kazuhiro etwas trinken gehe, reden wir manchmal bis etwa 4:00 Uhr morgens über Tee.“

Herr Nagayama baut ebenfalls in Ei Tee an. Für uns ist er ein Meister des Yabukita, den wir sehr mögen. Auch er ist ein Teebauer mit großer Leidenschaft für Tee; bei jedem Besuch sprechen wir am Ende mehrere Stunden mit ihm.

Zwischen den beiden dürften die Teegespräche entsprechend dicht werden.

Mit ganzer Hingabe: mehr als 20 Kultivare

Ein Feld mit Yabukita

„Es sind sicher 20 Kultivare. Ganz genau habe ich es aber nicht im Kopf. Sie werden jedes Jahr mehr oder weniger. Dafür müsste ich ins Verzeichnis schauen.“

Tsuyuhikari, Okumidori, Asanoka, Harumoegi, Shige Nr. 2 usw.

Herr Shimokubo schaut ständig auf neue Kultivare. Auf seinen Feldern werden manchmal auch Linien versuchsweise angebaut, die noch nicht beim Ministerium für Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft registriert sind. Von klassischen Kultivaren bis zu neueren Linien. Geschmack, optimale Anbaumethode und Verarbeitung unterscheiden sich jeweils. Bei mehr als 20 Kultivaren übernimmt Herr Shimokubo auch die Verarbeitung selbst.

„Tsuyuhikari, der ist schon gut. Dieser Jahrgang ist sehr gut gelungen und wurde hoch bewertet. Inzwischen bauen auch mehr Produzenten Tsuyuhikari an.“

Tsuyuhikari war ursprünglich ein Kultivar, der vor allem in der Präfektur Shizuoka angebaut wurde. Herr Shimokubo brachte ihn auf seine eigenen Felder und suchte mehrere Jahre, bis er schließlich ein Ergebnis hatte, mit dem er zufrieden war. Seit Produzenten sehen, wie sein Tsuyuhikari geworden ist, werde Tsuyuhikari auch in Kagoshima häufiger angebaut, erzählt er erfreut.

Der Tsuyuhikari von Herrn Shimokubo bewahrte das dichte Umami, das zu Tsuyuhikari gehört. Zugleich war daraus ein Tee mit Kraft und Weite geworden, ein Geschmack, der an Kagoshimas große Erde denken lässt.

Bodenarbeit bis ins Detail. Bokashi-Dünger

Lager für die Herstellung von Dünger

Das Wichtigste beim Teeanbau ist für Herrn Shimokubo die Bodenarbeit. Auf seinen Feldern baut er den Boden mit einer eigenen Düngermischung auf, während er den Zustand des Bodens und das Ergebnis im Tee beobachtet. Nachdem er uns die Felder gezeigt hat, führt er uns auch zu dem Lager, in dem der Dünger aufbewahrt wird.

Stickstoff, Phosphorsäure, Kali, Basensättigung, Dreiphasenverteilung, Kalk, Magnesia …

Wenn Herr Shimokubo über den Boden spricht, fallen fast nur Wörter, die uns nicht vertraut sind. Er steuere die Düngung auch anhand eigener Berechnungen, erzählt er. Unter Produzenten gebe es wohl nur wenige, die die Düngung so weit berechnen können.

„Wenn die Leute von der Landwirtschaftsgenossenschaft nur über Zahlen reden, werden alle müde. Ich habe mir das ins Heft geschrieben, Notizen gemacht und mir zeigen lassen, wie man rechnet.“

Man spürt darin Herrn Shimokubos lernbereite Art: Für guten Tee spart er keine Mühe.

Hier mischt er Reiskleie, Bambuspulver und Kompost und stellt daraus Bokashi-Dünger her.

Fermentierter Kompost
Fermentierter Kompost. Durch die Fermentation entsteht Wärme; gräbt man hinein, steigt Dampf auf.


Bei Kompost denkt man unwillkürlich an einen unangenehmen Geruch. Ist die Fermentation durch Mikroorganismen jedoch fortgeschritten und der Kompost als Dünger fertig, riecht er überhaupt nicht.

Fermentierter Kompost

Selbst wenn man ihn so berührt, wirkt er locker, fast wie feine Erde. Selbst mit der Nase dicht darüber: kein Geruch. Herr Shimokubo stellt hier große Mengen Dünger her und bringt sie mit schwerem Gerät auf die Felder, wie er erzählt.

So entstehen die Felder von Herrn Shimokubo: mit Blick auf die Balance der Inhaltsstoffe, die Leichtigkeit des Bodens und viele weitere Faktoren. Wenn chemische Düngemittel eingesetzt werden, verändert sich der Boden nach und nach so, dass er Nährstoffe schlechter aufnehmen kann. Dann muss noch mehr chemischer Dünger eingebracht werden, und der Boden gerät in einen gesättigten Zustand, wie er sagt.

Herr Shimokubo lässt den Boden regelmäßig analysieren. Mit organischen Düngern im Mittelpunkt achtet er auf eine Bodenarbeit, die die Teesträucher möglichst wenig belastet.

Kraftvoller Geschmack. Der Reiz des Tees von Shimokubo Isao Tea Factory

Über Herrn Shimokubo ließe sich noch vieles erzählen. Am stärksten bleibt für uns am Ende aber der Geschmack.

Seine Tees nutzen die Eigenschaften der jeweiligen Kultivare und werden jeweils auf die passende Weise hergestellt. Jeder hat eine eigene Kontur. Und doch liegt in allen etwas, das nach Herrn Shimokubo schmeckt.

Wie es zu Chiran-cha aus dem sonnigen Süden der Präfektur Kagoshima passt, ist die Tassenfarbe der tief gedämpften Tees sehr dunkel, ein dichtes Grün, wie man es in anderen Regionen kaum sieht. Die Tiefe ist dadurch eher zurückgenommen; spürbar wird dafür das kraftvolle, dichte Umami der Teeblätter.

Hinter diesem kraftvollen Geschmack, der nach einem Schluck im Gedächtnis bleibt, stehen die Leidenschaft und die Arbeit von Herrn Shimokubo. Dass wir nun mehrere Tees von Shimokubo Isao Tea Factory bei uns haben, gibt uns die schöne Gelegenheit, die feinen Unterschiede der Kultivare im direkten Vergleich zu schmecken.

Hier finden Sie die Tees von Herrn Shimokubo

Getaggt: BEHIND THE SIP