Ein Besuch in Uji, ein Blick auf bedeckte Teesträucher, eine kaufmännische Beobachtung: So beginnt eine der feinsten Geschichten des japanischen Grüntees. Gyokuro, Japans besonders geschätzter Tee aus Schattenanbau, entstand nicht in einem Tempel und nicht am Schreibtisch eines Gelehrten. Die Idee wird Yamamoto Kahee dem Sechsten zugeschrieben, dem Oberhaupt des Teehauses Yamamotoyama in Edo. Nach einem Besuch auf einer Teefarm in Uji erkannte er, wie stark Schatten die Teeblätter verändern kann. Aus dieser Beobachtung wuchs eine eigene Teekategorie, die bis heute für Süße, tiefes Umami und ruhige Eleganz steht. Doch Yamamoto Kahee war nicht nur eine einzelne Person: Über Generationen hinweg trugen die Oberhäupter der Familie Yamamoto den Namen „Kahee“ und prägten Japans Teegeschichte.
Yamamoto Kahee und seine Verdienste um „Yamamotoyama“
Die Geschichte dieser Familie führt mitten hinein in die Edo-Zeit, als Tee in Japan nicht mehr nur mit Hofkultur, Klöstern oder der Teezeremonie verbunden war. In den Städten wurde er zu einem alltäglichen Getränk für Händler, Handwerker und Reisende. Yamamotoyama stand an dieser Schnittstelle: ein Handelshaus, das neue Tees entdeckte, verkaufte, benannte und dadurch half, Geschmacksvorlieben in ganz Japan zu formen.
Yamamoto Kahee, der Erste – Der Beginn von Yamamotoyama
Der erste Yamamoto Kahee zog von Kyoto nach Edo und gründete 1690 in Nihonbashi ein Geschäft namens „Kagiya“. Dort handelte er mit japanischem Papier, Tee und Teeutensilien. Nihonbashi war eines der wichtigsten Handelszentren Edos: Von der berühmten Brücke aus wurden Entfernungen gemessen, Waren verteilt und Beziehungen zwischen Produzenten, Großhändlern und Stadtbewohnern geknüpft. Für ein Teehaus war dieser Ort ein Zugang zum wirtschaftlichen Herzen der Stadt.
Aus diesem Geschäft entwickelte sich „Yamamotoyama“. Der Familien- und Geschäftsname änderte sich im Laufe der Zeit mehrfach. 1941 erhielt das Unternehmen schließlich den Namen „Yamamotoyama“, nach einem beliebten Tee, den es verkaufte. Das zeigt, wie eng Handel, Vertrauen und Teegeschmack verbunden waren.
Yamamoto Kahee, der Vierte – Der Aufstieg von Yamamotoyama
Unter Yamamoto Kahee dem Vierten kam ein entscheidender Durchbruch. Nagatani Soen, der die grüne Sencha-Methode entwickelte, besuchte Yamamotoyama, um seinen neuen Tee vorzustellen. Dieser Tee unterschied sich deutlich von vielen älteren Tees: Die Blätter hatten eine klare grüne Farbe, und der Aufguss verband Süße, Duft und herbe Tiefe.
Kahee der Vierte war von Farbe und Geschmack so überrascht, dass er den Tee sofort kaufte. Später erhielt dieser Sencha den Namen „Tenka-ichi“ – „der beste im Land“ – und wurde nicht nur in Edo, sondern in ganz Japan bekannt. Für Yamamotoyama war dies der Moment, in dem das Haus bewies, dass es neue Qualität erkennen und einem großen Publikum zugänglich machen konnte.
Als faszinierendes historisches Detail wird überliefert, dass Yamamotoyama der Familie Nagatani aus Dank für den großen Gewinn über etwa 130 Jahre hinweg jedes Jahr 25 Ryō in Koban schickte, also in Goldmünzen der Edo-Zeit. Ob genaue Buchhaltung oder Ausdruck lang gepflegter Dankbarkeit: Die Episode erzählt von einer Handelswelt, in der Vertrauen, Herkunft und persönliche Beziehungen zählten.
Yamamoto Kahee, der Fünfte – Die Entdeckung des Sayama-Tees
Der fünfte Yamamoto Kahee entdeckte den Tee aus Sayama, einer Region im heutigen Saitama. Sayama liegt nördlich von Edo und ist kühler als viele südlichere Teegebiete. Die Winter sind strenger, die Vegetationszeit ist kürzer, und gerade diese Bedingungen begünstigen kräftige Blätter mit konzentriertem Geschmack.
In Sayama wurde schon vorher Tee hergestellt, doch die Produzenten begannen nun, sich an der damals landesweit populären Sencha-Methode zu orientieren. Kahee erkannte das Potenzial dieses Tees und gab Hinweise zur Herstellung. Daraus entstand das, was später als „Sayama-Tee“ bekannt wurde. 1819 schloss Yamamotoyama einen Verkaufsvertrag und gab dem Tee den Namen „Shimo no Hana“, also „Frostblume“. Seitdem gilt Sayama-Tee neben Shizuoka und Uji als einer der drei großen Tees Japans.
Yamamoto Kahee, der Sechste – Die Schaffung von Gyokuro
Yamamoto Kahee dem Sechsten wird die Entwicklung der Herstellungsweise des Gyokuro zugeschrieben. Zu seiner Zeit standen Teehändler in starkem Wettbewerb: Sencha war beliebt, und jedes Handelshaus suchte Unterscheidung. Bei einem Besuch in Uji, dem traditionsreichen Teeanbaugebiet bei Kyoto, sah Kahee bedeckte Teesträucher. Aus dieser Beobachtung entstand die Idee, Teeblätter wie von Tau umhüllt vor direktem Licht zu schützen.
Der Schattenanbau verändert die Pflanze langsam und tiefgreifend. Wenn weniger Sonnenlicht auf die jungen Blätter fällt, bleibt mehr von bestimmten Aminosäuren erhalten, darunter L-Theanin. Gleichzeitig entwickeln sich die Catechine, die für kräftige Herbe verantwortlich sind, anders als bei voll besonnten Tees. Das Ergebnis ist ein Tee mit weicher Süße, dichtem Umami und seidiger Fülle. Genau diese milde Art machte Gyokuro bei Hatamoto und Daimyō beliebt, also bei hochrangigen Gefolgsleuten und Feudalherren der Edo-Zeit.
Jede Tasse Gyokuro, die heute aufgegossen wird, folgt noch immer dem Prinzip, das Kahee in Uji erkannte: Schatten verändert das Blatt, und das Blatt verändert die Tasse. Die Methoden wurden verfeinert, die Sorten haben sich diversifiziert, und Produzenten arbeiten heute genauer mit Erntezeitpunkt, Beschattung und Dämpfung. Doch der Kern bleibt derselbe: die Pflanze bedecken, das Licht verlangsamen und dem Tee Raum geben, süßer zu werden. Zwei Jahrhunderte später trägt diese Beobachtung noch immer Geschmack. In unserer Grüntee-Kollektion können Sie entdecken, wie Schattenanbau sich in der Tasse ausdrückt.
