Die meisten Teetrinker kennen Shizuoka und Kyoto. Viel weniger bekannt ist, dass Mie die drittgrößte Teepräfektur Japans ist, nach Shizuoka und Kagoshima, und dass hier Japans wichtigstes Zentrum für Kabusecha liegt. Dieser beschattet angebaute Grüntee steht für tiefes Umami, eine satte grüne Tassenfarbe und einen weicheren Körper als klassischer Sencha.
Laut MAFF-Produktionsstatistik lag die Jahresproduktion 2023 bei rund 5200 Tonnen. Die Tees aus der Präfektur werden gemeinsam als Ise-cha geführt, eine zertifizierte Marke der Präfektur Mie. Neben dem Standardkultivar Yabukita wachsen hier auch Sayamakaori, Okumidori und Saemidori. Einen Überblick über weitere Anbaugebiete finden Sie in unserem Guide zu Japans Teeregionen.
Japans wichtigstes Kabusecha-Gebiet
Kabusecha ist der Tee, der Mie am klarsten von vielen anderen Präfekturen unterscheidet. 7 bis 10 Tage vor der Ernte werden die Teesträucher mit Netzen beschattet, damit die Blätter weniger direktes Sonnenlicht erhalten. Diese kurze Beschattung erhöht den Gehalt an Aminosäuren, vertieft das Umami, senkt die herbe Wahrnehmung und lässt das Blatt dunkler werden.
Mie produziert mehr Kabusecha als jede andere Präfektur Japans. Im Geschmack steht Kabusecha zwischen Sencha und Gyokuro: dichter und süßer als ein normaler Sencha, aber weniger konzentriert und weniger salzig wirkend als Gyokuro. Genau diese Mitte macht Mie-Kabusecha für viele Teetrinker zugänglich. Er zeigt deutlich, was Beschattung mit Tee macht, ohne die Tasse zu schwer werden zu lassen.
Tee für Süßwaren: Mies leise Rolle
Ein Teil des grünen Tee-Eises, der Matcha-Desserts und der japanischen Wagashi, die viele Menschen kennen, beginnt in Mie. Die Präfektur ist nicht nur Japans wichtigste Quelle für Kabusecha, sondern auch ein bedeutendes Zentrum für Tee, der als Rohstoff für Süßwaren, Getränke und Eiscreme verarbeitet wird.
Rohstofftee wird anders bewertet als Tee, der direkt als lose Blätter verkauft wird. Entscheidend sind gleichmäßige Qualität, stabile Mengen, Farbe und ein verlässliches Geschmacksprofil. Mies mildes Klima, die gut drainierten Böden und die Erfahrung großer Betriebe schaffen dafür günstige Bedingungen.
Dadurch entsteht ein Widerspruch: Ise-cha ist im japanischen Alltag oft präsent, aber der Name Mie bleibt für viele unsichtbar. Ein großer Teil der Ernte wurde historisch von Händlern anderer Präfekturen aufgekauft, in Mischungen verwendet oder an die Lebensmittelverarbeitung geliefert. Der Aufbau einer eigenständigen Herkunftsidentität für Ise-cha ist deshalb ein zentrales Thema der regionalen Teeindustrie.
Geschichte des Ise-cha: von Tempelaufzeichnungen bis Myoe Shonin
Der Teeanbau in Mie hat tiefe Wurzeln. Die früheste bekannte Aufzeichnung verweist auf den Ichijo-ji-Tempel in Suizawa-cho, Yokkaichi. Schon diese Überlieferung zeigt, dass Tee in der Region nicht erst durch den modernen Handel wichtig wurde.
Myoe Shonin, der buddhistische Mönch, der den Teeanbau in der Kamakura-Zeit in Japan verbreitete, säte Teesamen in Kawakami, Ise. Am Ende der Edo-Zeit brachte Nakagawa Norihiro, der Oberpriester des Jogan-ji-Tempels, Teesamen aus Uji nach Mie und förderte die industrielle Kultivierung. Diese Schritte bilden die Grundlage für den modernen Ise-cha.
Hokusei und Chu-Nansei: zwei Regionen, zwei Teeprofile
Mie ist eine schmale, von Nord nach Süd gestreckte Präfektur. Viele Gebiete haben ein mildes Klima mit durchschnittlich 14–15 °C. Dazu kommen hohe Niederschläge und Böden, die Wasser gut ableiten. Für Teesträucher ist diese Kombination stabil genug für Menge und fein genug für Qualität.
Das Hokusei-Gebiet im Norden umfasst Suzuka, Yokkaichi und Kameyama. Es liegt am Fuß der Suzuka-Berge und stellt ungefähr 70 % der Präfekturproduktion. Hier entstehen große Mengen Sencha und Kabusecha, außerdem Tencha als Rohmaterial für Matcha. Die Nähe zu Wasserquellen, sanfte Hänge und gut drainierte Felder machen Hokusei zum Kerngebiet des Mie-Tees.
Das Chu-Nansei-Gebiet in Zentral- und Süd-Mie umfasst Matsusaka, Odai-cho und Watarai-cho. Dort nutzen Teebauern Talhänge und flache Flächen an Flüssen. Die Region ist vor allem für hochwertigen Sencha und Fukamushi-Sencha bekannt. Durch die stärkere Dämpfung wirkt Fukamushi-Sencha weicher, dichter und etwas trüber in der Tasse; die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht unterstützen eine runde, geringe Adstringenz.
Wer Mie im Kontext anderer japanischer Anbaugebiete lesen möchte, findet weitere Vergleiche in unserem Guide zu Japans Teeregionen. Bei Far East Tea Company achten wir besonders auf beschattete Tees wie Ise-Kabusecha, weil sie eine Tiefe zeigen, die Feldtee allein nicht erreicht. Passende Beispiele finden Sie in unserer Grüntee-Kollektion.
