Die Schale ist warm, auf der Oberfläche liegt feiner Schaum, und unter dem Duft von Grün erscheint ruhige Süße. Wenn ein Matcha weich wirkt und kaum Bitterkeit zeigt, steckt häufig Okumidori dahinter. In Uji und Nishio gehört der Kultivar zu den Grundlagen für Tencha und Matcha.
Okumidori ist Japans viertwichtigster Tee-Kultivar. Sein Ruf steht vor allem bei beschatteten Tees und Pulvertee; zugleich funktioniert er als Sencha, Gyokuro und Kabusecha.
Was ist Okumidori?
Okumidori ist ein spät reifender Tee-Kultivar, der 1974 registriert wurde und aus Yabukita sowie Shizuoka Zairai 16 hervorging. Teebauern schätzen Kältetoleranz, hohen Theanin-Gehalt und zuverlässige Leistung unter Beschattung. In der Tasse zeigt sich das als tiefe Farbe, runder Umami-Charakter und niedrige Adstringenz.
Der Name erklärt die Erntezeit: oku bedeutet im Japanischen spät. Okumidori wird etwa 7–8 Tage nach Yabukita gepflückt. Dieser Abstand hilft bei der Planung, weil die Frühjahrsernte kurz, arbeitsintensiv und wetterabhängig ist.
Nach Yabukita, Yutakamidori und Saemidori steht Okumidori auf Rang vier. Seine Bedeutung ist größer, als diese Zahl zeigt, weil er in Tencha-Regionen konzentriert vorkommt.
Okumidori und Matcha
Für Matcha ist Okumidori wichtig, weil drei Eigenschaften zusammenkommen: feine Blattqualität, hoher Theanin-Gehalt und stabile grüne Farbe. Die Blätter lassen sich in der Steinmühle gleichmäßig verarbeiten; das hilft bei Textur, Mundgefühl und Schaumstabilität bei der Zubereitung von Matcha.
Der Tencha, also das beschattete und getrocknete Blatt für Matcha, gewinnt durch Okumidori klare Süße. Das Theanin trägt den Umami-Charakter, während Bitterkeit im Hintergrund bleibt. Darum findet man Okumidori häufig in Blends aus Uji und Nishio, auch neben anderen Kultivaren für Matcha und Tencha.
| Kultivar | Theanin | Farbkraft | Adstringenz | Mahlbarkeit |
|---|---|---|---|---|
| Okumidori | hoch | sehr gut, tief und stabil | niedrig | sehr fein |
| Yabukita | mittel | gut | mittel | gut |
| Saemidori | sehr hoch | sehr gut, leuchtend grün | sehr niedrig | sehr fein |
| Gokou | sehr hoch | sehr gut | niedrig | gut |
Der Geschmack von Okumidori
Okumidori schmeckt meist voll, glatt und herzhaft-süß. Der erste Eindruck ist Umami, danach kommen weiche Süße und sauberer Nachhall. Als Matcha fühlt er sich rund an; als Schattentee zeigt er Tiefe, ohne scharf zu werden.
Für usucha, dünn zubereiteten Matcha mit 1,5–2 g Pulver auf 60–70 mL Wasser, wirkt Okumidori cremig. Bei koicha, der dicken Zubereitung mit 3–4 g auf 30–40 mL, trägt das Theanin die Dichte, ohne dass Bitterkeit dominiert. Als Sencha ist er oft körperreicher als Alltagskultivare.
Okumidori wächst vor allem dort, wo Tencha, Matcha und Gyokuro wichtig sind. Uji in Kyoto und Nishio in Aichi sind prägend; dazu kommen Kagoshima, Mie und Fukuoka. Die späte Erntezeit passt gut zu Betrieben mit mehreren Kultivaren.
Auch der Schattierungsanbau erklärt seine Verbreitung. Bei der Beschattung werden die Pflanzen vor der Ernte 2–4 Wochen abgedeckt. So bleibt mehr Theanin im Blatt, und Okumidori entwickelt klare Süße.
Unterschiede zwischen Okumidori und Yabukita
Yabukita ist Japans Standardkultivar, robust und fast überall vertreten. Okumidori ist später, schattentauglicher und für Matcha oft feiner.
| Vergleichspunkt | Okumidori | Yabukita |
|---|---|---|
| Erntezeit | etwa 7–8 Tage später | Referenzzeitpunkt |
| Theanin | hoch | mittel |
| Reaktion auf Beschattung | sehr gut | gut |
| Eignung für Matcha und Tencha | sehr hoch | gut, eher universell |
| Adstringenz | niedriger | mittel |
| Regionen | Uji, Nishio, Kagoshima, Mie, Fukuoka | landesweit |
| Hauptverwendung | Matcha, Gyokuro, Tencha, Kabusecha | Sencha, Hojicha, Alltagstee |
Okumidori als Gyokuro und Kabusecha
Okumidori ist nicht nur ein Matcha-Kultivar. Als Gyokuro profitiert er von 3–4 Wochen Beschattung. Theanin und Umami treten stärker hervor; die Tasse wird dichter, bleibt aber weich.
Als Kabusecha, mit etwa 7–10 Tagen Abdeckung, steht Okumidori zwischen Sencha und Gyokuro. Die Süße wird angehoben, die grüne Frische bleibt sichtbar.
Zubereitung von Okumidori
Die Zubereitung hängt davon ab, ob Sie Okumidori als Matcha, Sencha, Gyokuro oder Kabusecha haben. Die Grundidee bleibt gleich: Hitze zurücknehmen, Süße schützen, Umami öffnen. Für Blatttee sind 65–70 °C und 90–120 Sekunden ein guter Beginn.
Der zweite Aufguss darf 75–80 °C haben. Bei Matcha zählen Wasserqualität, Sieb, Schale und gleichmäßiges Aufschlagen. Zur Qualität hilft auch unser Leitfaden zu Zeremoniellem Matcha.
